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Welchen Urlaubsanspruch haben Mitarbeiter in der Probezeit?

Jazmin Lopez

Viele Arbeitnehmer entscheiden sich oft kurzfristig dazu eine neue Beschäftigung zu beginnen. Im Zeitalter der Headhunter, Xing und LinkedIn  muss man nicht einmal aktiv auf Jobsuche sein, um ein interessantes Angebot zu erhalten. Andere wiederum haben keine andere Wahl als sich eine neue Beschäftigung zu suchen, da Ihr Angestelltenverhältnis endet.

Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich die Probezeit der neuen Anstellung mit persönlichen Urlaubsplänen oder bereits gebuchten Reisen überschneidet.

Neuer Job und Urlaubspläne - Was jetzt?

Immerhin belegt die Studie "Beste Zeit zum Buchen" von TripAdvisor®, dass man für ausgewählte Urlaubsziele über 20% sparen kann, wenn die Buchung fünf bis neun Monate vor dem eigentlichen Reiseantritt erfolgt (der allseits bekannte Frühbucherrabatt) - weit mehr, als die meisten Kündigungsfristen. Es ist also nicht verwunderlich, dass viele Personen von diesen Vorteilen Gebrauch machen. 

Betroffene Arbeitnehmer fragen sich in diesem Szenario allerdings häufig ob, beziehungsweise wie sie dieses Thema bei dem neuen Arbeitgeber ansprechen.

Ein weit verbreiteter Irrglaube besagt, dass Arbeitnehmer während der Probezeit keinen Urlaubsanspruch haben. Andere wiederum scheuen sich davor das Thema anzusprechen, da sie befürchten, dies direkt negativ ausgelegt zu bekommen oder gar als Kündigungsgrund während der Probezeit aufgeführt werden könnte.

Wir möchten Ihnen erklären, welche Ansprüche Sie diesbezüglich als neuer Mitarbeiter während der betrieblichen Probezeit haben und welche Besonderheiten es hier zu beachten gilt.

Ihr gesetzlicher Urlaubsanspruch in Deutschland:

Die Probezeit ist eine Art Test- bzw. Orientierungsphase für Arbeitnehmer und Arbeitgeber und ist in der Regel auf drei bis sechs Monate befristet. Während dieser Probezeit gilt eine verkürzte Kündigungsfrist von zwei Wochen. Insbesondere diese ist bei Arbeitnehmern gefürchtet.

Die Probezeit dient beiden Parteien dazu, zu erkennen ob sie zueinander passen. Der Arbeitgeber kann sich in dieser Zeit von den Qualifikationen und Fähigkeiten des Arbeitnehmers überzeugen, wohingegen der Arbeitnehmer einen besseren Eindruck und Überblick über das Unternehmen, Kollegen und Vorgesetzte erhält.

Doch stehen Arbeitnehmer während dieser Phase wirklich so sehr unter Beobachtung wie sie sich selbst oftmals fühlen und gelten andere gesetzliche Regelungen beispielsweise beim Thema Urlaubsanspruch als nach der Probezeit?

Teilweise. 

Nach Bundesurlaubsgesetz §5 hat jeder Arbeitnehmer mit Beginn seines Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf 1/12 des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat. 

Angenommen Sie haben Anspruch auf die in Deutschland gesetzlich zugesicherten 24 Urlaubstage im Jahr*, so stehen Ihnen rechtlich bereits im ersten Monat zwei Urlaubstage zu. Dies nennt man im Allgemeinen auch "Teilurlaubsanspruch".

Aber Achtung: Der Arbeitgeber ist dazu berechtigt, dem Urlaubswunsch des Arbeitnehmers während der Probezeit (sowie danach) nicht nachzukommen und diesen zu verweigern. Hierfür bedarf es allerdings betriebliche Gründe oder im Arbeitsvertrag wurde etwas derartiges schriftlich festgehalten.

Ein betrieblicher Grunde kann beispielsweise ein saisonbedingter Mitarbeiter Engpass sein.

Soll heißen: wurde schon zu vielen Mitarbeitern Urlaub zugesprochen und mit weiteren Abwesenheiten könnte dem Tagesgeschäft nicht mehr nachgegangen werden.

Probezeit und Wartezeit - Vorsicht Verwechslungsgefahr!

Viele Menschen, verwechseln die Probezeit mit der sogenannten “Wartezeit”.

Diese beschreibt, dass der volle Anspruch auf den Jahresurlaub erst entsteht, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens 6 Monate dauert. Wenn der Arbeitnehmer also innerhalb der ersten sechs Monate seiner Anstellung mehr Urlaub nehmen möchte, als ihm gemäß dem Teilurlaubsanspruches zusteht, kann der Arbeitgeber dies ohne Probleme ablehnen. 

Unsere Arbeitnehmer-Tipps für weniger Stress während der Probezeit

Um Stress während der Probezeit zu vermeiden sollte der Arbeitnehmer folgendes stets im Hinterkopf behalten. Falls Sie merken sollten, dass ein Mitarbeiter besonders gestresst ist, können Sie ihn dabei unterstützen, mit seiner Unsicherheit umzugehen, indem Sie ihm folgendes bewusst machen:

  • Er hat sich bei seinen neuen Vorgesetzten gegen alle anderen Mitbewerber durchgesetzt, den besten Eindruck hinterlassen und wurde mit einer Anstellung belohnt.
  • Für Unternehmen ist die Phase bis zur Besetzung einer frei gewordenen Stelle ebenfalls sehr zeitraubend und nervenaufreibend.
  • Es muss nicht befürchtet werden, dass alle Handlungen während der Probezeit aufs Schärfste beobachtet und verurteilt werden. 
  • Im Normalfall schafft ein Gespräch zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber Klarheit und dem Urlaubswunsch steht nichts mehr im Wege. 

Schließlich möchte der Arbeitgeber einen motivierten und erholten Mitarbeiter, damit dieser weiterhin die volle Leistung abrufen kann. Somit ist der Weg für eine langfristige Zusammenarbeit geebnet. Diese Einsicht kann Angestellten einige Nerven sparen und dabei helfen Stresssituationen zu vermeiden.

Arbeitnehmer sollten also stets die Courage besitzen Ihre Anliegen vorzutragen und einen offenen und ehrlichen Austausch mit ihren Vorgesetzten suchen.

Auf diese Art kann der wohlverdiente Urlaub auch während der Probezeit in vollen Zügen genossen werden.

 * gilt nur bei einer 6-Tage-Woche. Bei einer 5-Tage-Woche stehen Ihnen 20 Urlaubstage zu.


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